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05.08.2021


Am Flughafen gibt es schon lange Gebetsräume bzw. Kapellen für Muslime, Juden und Christen. Moscheen als auch Synagogen sind wegen der Pandemie nur bedingt geöffnet, wenn eine verantwortliche Person für die mit dem Zugang verbundenen Auflagen Sorge trägt und während der Öffnungszeit präsent ist.

Während unserer Bürozeiten ist unsere christliche Kapelle im landseitigen Terminal 1 für eine begrenzte Besucherzahl geöffnet, zu Gottesdiensten für max. 5 Personen. Dies sind – im Gegensatz zu „normalen Zeiten“, bei denen sämtliche Gebetsräume 24 Stunden täglich geöffnet waren – erhebliche Einschränkungen. Die uns nahe gelegene Moschee ist nur freitags wenige Stunden und für max. 3 Betende gleichzeitig geöffnet, die Synagoge in Halle C ist gänzlich geschlossen.

Dabei machen wir die Erfahrung, dass während unserer Büro-/Öffnungszeiten immer wieder jüdische als auch moslemische Gläubige zu uns kommen und nach einer Möglichkeit zum Gebet ersuchen, wie es an der Tür zur Moschee auch angeboten ist. Unser Teppichboden bietet sich dazu an und die Ausrichtung des Betenden nach Mekka bzw. nach Jerusalem ist ebenfalls problemlos möglich.

Uns sind alle willkommen! Manchmal ergeben sich interessante Gespräche über (den EINEN) Gott, den Glauben. Ich war erstaunt, als neulich eine moslemische Familie in unsere Kapelle kam und gleich neben dem Tabernakel nach Osten ausgerichtet betete und sich danach für diese Möglichkeit herzlich bedankte. Der Familienvater sagte: „Es gibt ja einen Gott, wir haben im Gebet dieselbe Adresse – nur die Art, wie wir beten und die Worte sind anders als Eure!“

Eine erstaunliche Bemerkung, die ungeahnte Nähe zueinander spüren ließ und mich erinnerte an unser alljährliches „Fest der Abrahamischen Religionen“ im November (s. dazu die Berichte hier in unserem Archiv).

Hans Küng schreibt in „Theologie im Aufbruch“ (1987 Pieper Verlag München): „Wohin aber, wird mancher fragen, wird das alles führen? Die Geschichte ist nach vorne offen, und offen ist auch der interreligiöse Dialog, der anders als der interkonfessionelle, gerade erst begonnen hat… Wie die Christologie, Koranologie oder Buddhologie, wie die Kirche, die Umma, der Sangha des Jahres 2087 aussehen wird, wer weiß das?

Und wir fragen uns: Könnten solche interreligiösen Erfahrungen und Begegnungen, die wir – letztlich der Pandemie geschuldet – in diesen Tagen machen dürfen, eine Antwort auf diese Frage von Hans Küng andeuten – was meinen Sie?